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Der Kaufmann von Venedig
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Der Kaufmann von Venedig (englisch The Merchant of Venice) ist ein TheaterstĂŒck von William Shakespeare. Das Werk entstand zwischen 1596 und 1598 und wurde 1600 in der ersten Quartoausgabe veröffentlicht. Die frĂŒheste bekannte AuffĂŒhrung fand am 10. Februar 1605 vor König Jakob I. im Palace of Whitehall statt. Das StĂŒck spielt in Venedig und in Belmont, einem Landsitz auf dem Festland. Die Handlung beruht auf Il Pecorone von Giovanni Fiorentino und der Anekdotensammlung Gesta Romanorum.

Contents

‱ Handlung
‱ Datierung
‱ Kritik
‱ Adaptionen
‱ BĂŒhne
‱ Oper
‱ Literatur
‱ Weblinks
‱ Belege

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Handlung

Antonio, ein venezianischer Kaufmann, möchte seinen Freund Bassanio unterstĂŒtzen, der auf FreiersfĂŒĂŸen wandelt: Bassanio hat sich in Portia, eine reiche junge Adelige, verliebt, und die Brautwerbung verspricht teuer, letztlich aber auch sehr lukrativ zu werden. Um den Freund mit dem nötigen Geld unterstĂŒtzen zu können, macht Antonio selber Schulden, und zwar bei dem jĂŒdischen Geldverleiher Shylock. Shylock, der von den Christen Venedigs verachtet, von Antonio öffentlich beleidigt wird und der seinerseits Antonio stellvertretend fĂŒr alle Christen hasst, bietet im Gegensatz zu seiner ĂŒblichen Zinspraxis an, diesmal auf Zinsen zu verzichten. Als Sicherheit verlangt er, scheinbar zum Spaß, nur dies: Gelingt es dem Schuldner nicht, das geliehene Geld rechtzeitig zurĂŒckzuzahlen, so hat Shylock Anspruch auf „ein Pfund Fleisch“ aus Antonios Körper. Antonio willigt ein und unterschreibt einen entsprechenden Schuldschein, ist er sich doch sicher, dass seine Handelsschiffe, die zurzeit auf großer Fahrt sind, bald reich beladen nach Venedig zurĂŒckkehren werden.

In Belmont muss sich auch Bassanio auf eine ungewöhnliche Übereinkunft einlassen: Portias verstorbener Vater hat testamentarisch verfĂŒgt, dass ihre Bewerber von drei KĂ€stchen (einem goldenen, einem silbernen, einem bleiernen) jenes auswĂ€hlen mĂŒssen, welches Portias Bild enthĂ€lt; wem das nicht gelingt, der muss zeitlebens ehelos bleiben. Der erste Bewerber, der geldgierige Prinz von Marokko, wĂ€hlt das goldene KĂ€stchen, denn auf dem bleiernen steht: „Wer mich wĂ€hlt, muss alles geben und wagen, was er hat“, und fĂŒr Blei will er nicht alles, was er hat, riskieren. Das silberne sagt: „Wer mich wĂ€hlt, wird so viel bekommen, wie er verdient“, was fĂŒr ihn wie eine Einladung zur Folter klingt. Auf dem goldenen jedoch steht: „Wer mich wĂ€hlt, wird gewinnen, was viele begehren“, was fĂŒr ihn ganz deutlich auf Portia anspielt. Im goldenen KĂ€stchen liegen jedoch nur ein paar GoldmĂŒnzen und ein SchĂ€del mit einer Schriftrolle, auf der der berĂŒhmte Spruch steht:

„Nicht alles, was glĂ€nzt, ist Gold, / Oft hast du das sagen hören – / Manch einer hat sein Leben verkauft, / Nur mein Äußeres zu sehen. / Vergoldete GrĂ€ber umschließen WĂŒrmer. / WĂ€rst du so weise wie kĂŒhn gewesen, / Jung in den Gliedern, alt im Urteil, / So wĂ€re deine Antwort nicht aufgeschrieben gewesen – / Leb wohl, deine Werbung ist kalt.“

Somit ist er kein geeigneter Bewerber und muss von jetzt an ein Leben als Junggeselle fĂŒhren.

Der zweite Bewerber ist der von sich selbst sehr ĂŒberzeugte Prinz von Arragon. Er wĂ€hlt das silberne KĂ€stchen, weil er denkt, dass er Portia „verdiene“. Darin findet er jedoch das Bild eines blinzelnden Idioten, der ihm ein StĂŒck Papier entgegenhĂ€lt. Damit hat auch er sich als ungeeignet erwiesen. Der letzte Bewerber ist schließlich Bassanio. Er bemerkt, dass die Zeile auf dem bleiernen KĂ€stchen sich auf die Hochzeit als einen wichtigen Wendepunkt im Leben bezieht. Er wĂ€hlt das richtige KĂ€stchen und darf Portia heiraten.

ZurĂŒck in Venedig findet er Antonio in argen Sorgen: Die Schiffe des Kaufmanns sind verschollen, und es scheint aussichtslos, dass er Shylock die geschuldete Summe rechtzeitig zurĂŒckzahlen kann. Shylock wetzt schon sein Messer und hat auch eine Waage mitgebracht, als der junge „Advokat“ Balthasar – bei dem es sich in Wirklichkeit um die nach Venedig gekommene, verkleidete Portia handelt – erscheint und in letzter Minute die Lösung prĂ€sentiert: Zwar habe Shylock vertragsgemĂ€ĂŸ Anspruch auf das Fleisch, nicht jedoch auf das Blut Antonios, er dĂŒrfe also beim Herausschneiden keinen Tropfen Blut vergießen. Tue er es doch, so drohe ihm die Todesstrafe und alle seine GĂŒter wĂŒrden vom Staat konfisziert. Weiter sei in den Gesetzen Venedigs festgelegt, dass derjenige, der als Fremder nach dem Leben eines BĂŒrgers trachte, die eine HĂ€lfte seines Vermögens an die gegnerische Partei (Antonio), die andere HĂ€lfte an den Staat verliere, sein Leben hĂ€nge von des Herzogs Gnade ab. Verbittert muss der GlĂ€ubiger seine Niederlage eingestehen. Doch zeigt der Doge Milde, und Antonio bietet die RĂŒckgabe seiner HĂ€lfte an, wenn Shylock zum Christentum konvertiere und seine GĂŒter nach seinem Tod seiner Tochter Jessica und deren Freund Lorenzo vermache. Der gebrochene Shylock erklĂ€rt sich zu allem bereit und verlĂ€sst das Gericht. Zum glĂŒcklichen Ende treffen sich in Belmont die Paare Portia-Bassanio, Nerissa-Gratiano, Jessica-Lorenzo mit Antonio, der erfreut erfĂ€hrt, dass seine Schiffe doch noch sicher im Hafen angekommen sind.

Literarische Vorlagen und sozio-kulturelle BezĂŒge

Die beiden wichtigsten HandlungsstrĂ€nge des StĂŒckes, die Geschichte um einen Schuldschein, der auf ein Pfund menschlichen Fleisches als Pfand ausgestellt wird, und die Geschichte der Brautwerbung durch KĂ€stchenwahl, basieren auf traditionsreichen, weit verbreiteten ErzĂ€hlmotiven, die seit Jahrhunderten sowohl auf dem Kontinent als auch in England in Umlauf waren und in verschiedenen Fassungen existierten.

Bei der Handlung um Antonio und Shylock ist Shakespeares unmittelbare Vorlage eine Geschichte aus der von einem gewissen Ser Giovanni aus Florenz verfassten Novellensammlung Il Pecorone, die um 1378 entstanden ist und erstmals 1558 gedruckt wurde. Als letzte Episode einer mĂ€rchenhaften Romanze wird dort die Geschichte vom Fleischpfand mit anschließendem Prozess und falschem Rechtsanwalt einschließlich eines angehĂ€ngten Ring-Nachspiels erzĂ€hlt.

Shakespeares StĂŒck stimmt nicht nur in zahlreichen Details wie den SchauplĂ€tzen Venedig und Belmont mit dieser italienischen Novelle ĂŒberein, sondern ebenso in der Handlungsstruktur der VerknĂŒpfung des Schuldscheinmotivs mit der Brautwerbung um die Dame von Belmont und der Ring-Episode. Eine Übersetzung dieser Novelle ins Englische ist allerdings nicht ĂŒberliefert; wie Shakespeare Kenntnis von dieser ErzĂ€hlung Ser Giovannis erlangte, ist ungeklĂ€rt.

WĂ€hrend in der italienischen Novelle der anekdotenhafte Reiz der Geschichte als solcher im Vordergrund steht, vertieft Shakespeare demgegenĂŒber die Motivation seiner Charaktere und stellt thematisch die Problematik des Geschehens heraus. Außerdem baut er die Episoden der Haupthandlung aus und fĂŒgt entsprechend dem Aufbau seiner frĂŒheren Komödien die kontrastierenden Nebenhandlungen um Jessica und Nerissa hinzu. Zugleich akzentuiert Shakespeare die dramatischen und poetisch-atmosphĂ€rischen Momente in der Geschichte und ersetzt das erotische Schwankmotiv des erfolgreichen Beischlafs in der Novellenvorlage durch das bĂŒhnenwirksamere und beziehungsreichere Motiv der KĂ€stchenwahl.cite-ref-1[1]

Dieses ErzĂ€hlmotiv der KĂ€stchenwahl findet sich unter anderem bereits in den Gesta Romanorum, einer mehrfach umgeschriebenen, ursprĂŒnglich lateinischen Sammlung von kurzen ErzĂ€hlungen oder Fabeln, die auch Geistliche als BeispielfĂ€lle fĂŒr ihre Predigten nutzten. Shakespeares Quelle war vermutlich eine 1595 gedruckte englische Übersetzung und Neufassung dieser mittelalterlichen Sammlung von Richard Robinson. In dieser Vorlage ist es jedoch die Leistung der Braut, einer schiffbrĂŒchigen und aus dem Bauch eines Walfisches geretteten Königstochter, durch die richtige Wahl der bleiernen Schatulle den Nachweis zu erbringen, dass sie die geeignete Ehefrau fĂŒr den Sohn des Kaisers von Rom ist.cite-ref-2[2]

Das PatenverhĂ€ltnis, das in Ser Giovannis Novelle zwischen dem Brautwerber und dem Opfer des Wucherers besteht, wandelt Shakespeare in eine enge MĂ€nnerfreundschaft um, wie er sie schon in The Two Gentlemen of Verona oder auch in frĂŒhen Sonetten dargestellt hatte. DarĂŒber hinaus wird die Figur des jĂŒdischen Wucherers, die in der italienischen Novellenvorlage eine blasse Nebenfigur bleibt, in Shakespeares StĂŒck schließlich zu einer derart zentralen Gestalt, dass schon im Stationers’ Register der Alternativ-Titel The Jew of Venice eingetragen wurde.cite-ref-3[3]

Abstoßende GrĂ€uelgeschichten ĂŒber blutrĂŒnstige, geldgierige und christenfeindliche Juden waren im christlichen Abendland in allen LĂ€ndern verbreitet, völlig unabhĂ€ngig davon, ob es dort ĂŒberhaupt Juden gab. So ist beispielsweise auch Barabas, die Titelfigur von Christopher Marlowes The Jew of Malta (um 1589), ein diabolisch intriganter, im machiavellischen Sinne machtgieriger Schurke. Die Beziehung zwischen Shylock und seiner Tochter Jessica in Shakespeares StĂŒck erinnert zudem an das VerhĂ€ltnis zwischen Barabas und seiner Tochter Abigail in Marlowes Werk. Möglicherweise kannte Shakespeare auch das verschollene anonyme StĂŒck The Jew, dessen Hauptfigur von dem Puritaner Stephen Gosson in The School of Abuse (1579; Die Schule des Missbrauchs) ebenfalls als geld- und blutgieriger Jude beschrieben wird.

Da England zu den LĂ€ndern gehörte, in denen Menschen jĂŒdischen Glaubens schon seit 1290 ausgewiesen worden waren, ist es eher unwahrscheinlich, dass Shakespeare selbst oder aber seine Zuschauer jemals praktizierenden Juden begegnet sind. FĂŒr die meisten EnglĂ€nder in der damaligen Zeit war der Jude eine mythische Figur, wenngleich im elisabethanischen London eine kleine Gruppe von Juden, zumeist assimiliert oder als Konvertiten getarnt, lebte. Einer dieser Juden war der portugiesische Leibarzt der Königin, Roderigo Lopes, der 1594 beschuldigt wurde, an einem geplanten Giftanschlag gegen Elisabeth I. beteiligt gewesen zu sein. Das Interesse und die Sensation, die seine Verurteilung und öffentliche Hinrichtung auslösten, könnte einer der GrĂŒnde Shakespeares fĂŒr die Wahl seines Stoffes gewesen sein, ebenso wie die andauernde Beliebtheit von Marlowes Jew of Malta.cite-ref-4[4]

In der Gestalt Antonios spiegelt sich in dessen Rolle als Kaufmann des Weiteren der historische Hintergrund der fortschreitenden Ausweitung des Handels ab der Mitte des 16. Jahrhunderts, die in der Folgezeit aus GrĂŒnden der Kapitalvermehrung und Risikominderung zum Zusammenschluss von Kaufleuten zu Gesellschaften wie etwa der Muscovy Company 1555, der Levant Company zwischen 1581 und 1592 und der East India Company ab 1606 fĂŒhrte. Die Gewinne aus diesen Handelsunternehmungen, an denen sich auch Adelige und Monarchen beteiligten, waren außerordentlich hoch, ebenso jedoch das Risiko, alles zu verlieren. ErtrĂ€ge von 300 bis 400 Prozent galten als normal, solche von nur 100 Prozent als Fehlschlag. Einen Rekordgewinn von 4700 Prozent erzielte 1580 die Expedition von Sir Francis Drake.cite-ref-5[5]

Datierung

Die genaue Entstehungszeit des Werkes ist nicht ĂŒberliefert; fĂŒr die heute ĂŒbliche Datierung 1596/97 sprechen jedoch WahrscheinlichkeitsgrĂŒnde. Mit Sicherheit lĂ€sst sich nur der spĂ€testmögliche Zeitpunkt der Entstehung (terminus ad quem) rekonstruieren. Am 22. Juli 1598 ließ James Robert das StĂŒck unter dem Doppeltitel „a booke of the Marchaunt of Venyce or otherwise called the Iewe of Venyce“ in das Stationers‘ Register eintragen. ErwĂ€hnt wird das StĂŒck auch in der Essaysammlung Palladis Tamia von Francis Meres, die rund sechs Wochen spĂ€ter am 7. September im Druckregister verzeichnet wurde. Meres‘ Buch enthĂ€lt eine Aufstellung der bekannten Shakespeare-Dramen; den Merchant of Venice nennt er als letzte und damit wahrscheinlich jĂŒngste von sechs Komödien Shakespeares.

Diese beiden Eintragungen belegen eindeutig, dass das StĂŒck spĂ€testens im Sommer 1598 zum Repertoire der Schauspieltruppe Shakespeares gehörte. Meres konnte das Werk nur aus einer zuvor erlebten AuffĂŒhrung kennen; die Anmeldung zur Drucklegung der Komödie im Juli 1598 erfolgte zwei Jahre vor dem tatsĂ€chlichen Erstdruck und enthielt zudem eine blockierende Klausel (proviso), dass das StĂŒck nur mit der ausdrĂŒcklichen Zustimmung von „Lord Chamberlain“ gedruckt werden durfte. Gemeint ist damit die Schauspieltruppe Shakespeares, die Lord Chamberlain’s Men, die sich auf diese Weise die Rechte an dem StĂŒck sichern wollte, wahrscheinlich um so unautorisierte Raubdrucke zu unterbinden.

Einige Shakespeare-Forscher betrachten die frĂŒhe Druckanmeldung ebenso als Indiz dafĂŒr, dass das Werk wohl erst in der Theatersaison 1597/98 entstanden sein dĂŒrfte. Der blockierende Eintrag könnte dann, so die Annahme, in erster Linie dazu gedient haben, das aufgrund seiner AktualitĂ€t noch mit großem Erfolg aufgefĂŒhrte StĂŒck vor Nachahmungen durch konkurrierende Schauspieltruppen zu schĂŒtzen.cite-ref-6[6]

Zweifelsfreie Belege oder sichere Hinweise, ob das StĂŒck bei der Eintragung tatsĂ€chlich neu war oder aber bereits einige Zeit zuvor verfasst und möglicherweise auch gespielt wurde, liegen jedoch nicht vor.

Auch der frĂŒhestmögliche Zeitpunkt der Entstehung kann nicht mehr mit letzter Gewissheit festgestellt werden; als terminus a quo gilt in der jĂŒngeren Forschung allgemein der Sommer 1596. Dem liegt vor allem eine heute kaum mehr strittige Textdeutung zugrunde, die eine Eingangspassage des StĂŒckes (I, i, 27) als Anspielung auf das spanische Schiff San AndrĂ©s (St. Andrews) versteht, das 1596 im Hafen von Cadiz von den EnglĂ€ndern gekapert wurde. Die Nachricht von der Einnahme des spanischen Schiffes erreichte den englischen Hof am 30. Juli 1596 und war allgemeiner GesprĂ€chsstoff; auch im Sommer und Herbst des folgenden Jahres sorgte die Galleone in den HĂ€nden der EnglĂ€nder mehrfach fĂŒr Aufmerksamkeit, da sie zu stranden oder unterzugehen drohte. Möglicherweise beziehen sich die Andeutungen in der Anfangsszene des StĂŒcks auch auf diese spĂ€teren Ereignisse im Jahre 1597.

GrundsĂ€tzlich wĂ€re es zwar denkbar, dass die historischen Andeutungen in der Anfangsszene erst nachtrĂ€glich einer zuvor fertiggestellten Fassung des StĂŒckes hinzugefĂŒgt wurden; gegen eine solche Annahme sprechen jedoch vor allem stilistische Vergleichsanalysen mit anderen Werken Shakespeares, die ebenfalls einen Entstehungszeitraum vor 1596 mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit ausschließen lassen. Zudem steht das StĂŒck offensichtlich unter dem Einfluss der 1595 erschienenen Schrift The Arraignment and Conviction of Usury (Die Beurteilung und Verurteilung des Wuchers) von Miles Mosse und dĂŒrfte daher nicht vor 1596 entstanden sein.

FrĂŒhere Datierungen des Werkes auf 1594 gelten demgemĂ€ĂŸ aus heutiger Sicht ĂŒberwiegend als ungesichert. Die antijĂŒdische Stimmung, die durch den Hochverratsprozess gegen Roderigo Lopes, den jĂŒdischen Leibarzt Königin Elisabeths, und dessen Hinrichtung 1594 ausgelöst worden war, wurde durch die WiederauffĂŒhrung von Marlowes The Jew of Malta von Januar bis Juni 1596 weiter geschĂŒrt; ein entsprechendes Publikumsinteresse war wohl auch zu dieser Zeit noch zu erwarten.cite-ref-7[7]

Textgeschichte

Die erste Quarto-Ausgabe von The Merchant of Venice (Q1) erschien 1600; der entsprechende Eintrag im Stationers’ Register vom 28. Oktober 1600 verzeichnet allerdings eine Übertragung der Druckrechte von James Roberts auf Thomas Hayes. Die Titelseite des Erstdrucks enthĂ€lt neben der Angabe des Verfassers („Written by William Shakespeare“) ebenso den Zusatz „Printed by I.R. [James Roberts] for Thomas Heyes“ und einen Hinweis auf vorangegangene AuffĂŒhrungen der Lord Chamberlaine‘s Men („As it hath beene diuers times acted by the Lord Chamberlaine his Seruants“). Die HintergrĂŒnde des Übergangs der Druckrechte sind ungeklĂ€rt, da es keinerlei gesicherte Informationen ĂŒber die geschĂ€ftlichen Beziehungen zwischen Roberts, Hayes und der Schauspieltruppe Shakespeares gibt. Verschiedene Shakespeare-Herausgeber mutmaßen allerdings, dass Roberts in eigenem Namen oder im Auftrag der Lord Chamberlain’s Men handelte und bei den Stationers zur Legitimation des Druckes im Oktober 1600 nochmals eine Theaterabschrift bzw. ein Regiebuch (prompt-book) der Schauspieltruppe vorlegen musste. DafĂŒr spricht auch die merkwĂŒrdige Redundanz in dem Eintrag der Stationers („a booke called the booke of the m chant of Venyce“), da die elisabethanischen prompt-books in der Regel die Aufschrift („The book of 
“) enthielten.

Dem Druck der ersten Quarto-Ausgabe von The Merchant of Venice lag jedoch aus heutiger textkritischer Sicht – entgegen frĂŒheren Hypothesen – höchstwahrscheinlich keine Theater- oder Regieabschrift, sondern ein handschriftliches Manuskript Shakespeares zugrunde. Die fĂŒr die prompt-books charakteristischen prĂ€ziseren BĂŒhnenanweisungen fehlen nahezu vollstĂ€ndig; orthografisch lassen sich an markanten Stellen ebenso Übereinstimmungen mit der Entwurfsfassung (sogenanntes foul paper) von Hamlet finden. Da der Text andererseits nur eine erstaunlich geringe Anzahl von Druckfehlern oder IrrtĂŒmern aufweist, wurde möglicherweise eine Reinschrift der ersten Schmierfassung (fair copy) fĂŒr den Druck genutzt.cite-ref-8[8]

1619 erfolgte ein weiterer Druck im Quarto-Format (Q2) mit der trĂŒgerischen Angabe „Printed by J. Roberts, 1600“. Lange Zeit wurde dieser Druck fĂ€lschlicherweise als erste Quarto-Ausgabe betrachtet. Pollard, Greg und andere Shakespeare-Forscher konnten jedoch Anfang des 20. Jahrhunderts zweifelsfrei nachweisen, dass es sich tatsĂ€chlich um einen teilweise fehlerhaften Nachdruck von Q1 handelt, der von William Jaggard im Auftrag von Thomas Pavier vorgenommen wurde und Teil der sogenannten False Folio war. Pavier, der offenbar eine erste Sammlung von Shakespeare-Dramen herausgeben wollte, verfĂŒgte nicht ĂŒber die erforderlichen Druckrechte und tĂ€uschte diese daher durch falsche RĂŒckdatierungen und unwahre Angaben vor.cite-ref-9[9] Dieser zweiten Quarto-Ausgabe (Q2), die an verschiedenen Stellen von Q1 abweicht, wird heute in der Regel keine TextautoritĂ€t mehr zuerkannt.

Die erste Folio-Ausgabe (F1) von The Merchant of Venice erschien 1623 auf Grundlage des Quarto-Drucks (Q1) von 1600, wie orthografische und typografische Übereinstimmungen zeigen. Allerdings wurde der ursprĂŒngliche Text von Q1 durch verschiedene BĂŒhnen- und Regieanweisungen sowie Akteinteilungen ergĂ€nzt, was darauf schließen lĂ€sst, dass zusĂ€tzlich wahrscheinlich ein prompt-book fĂŒr die Drucklegung herangezogen wurde.

Weitere Folio-Ausgaben wurden 1632 (F2), 1663 (F3) und 1685 (F4) als Nachdrucke der ersten Folio-Ausgabe veröffentlicht; eine dritte Quarto-Ausgabe (Q3), die ĂŒberwiegend der Fassung des ersten Quarto-Drucks (Q1) folgt, wurde 1637 von Hayes‘ Sohn Laurence gedruckt. Diese nach 1623 erschienenen Ausgaben können als bloße Nachdrucke vorhergehender Druckfassungen jedoch keine grĂ¶ĂŸere Textgeltung beanspruchen.cite-ref-10[10]

Das Werk und seine Rezeption

Kaum ein anderes Shakespearedrama ist so unterschiedlich aufgenommen und gedeutet worden wie The Merchant of Venice. Shylock als eine der Hauptfiguren gehört zu den am hĂ€ufigsten diskutierten dramatischen Charakteren Shakespeares. Dabei ist er sowohl als dĂ€monischer Bösewicht als auch als komischer betrogener BetrĂŒger oder als Mitleid erregende tragische Figur gedeutet worden.

Ebenso breit ist die Skala der Antworten auf die immer wieder aufgeworfene Frage nach der grundsĂ€tzlichen Aussage oder der zugrundeliegenden Intention des Autors. Neben allegorischen Interpretationen, bei denen das Werk als Dramatisierung des Triumphs der Gnade ĂŒber die Gerechtigkeit im strengen Sinne verstanden wurde, finden sich monothematische Deutungen, die in gewissen themenspezifischen Begriffen wie etwa „love’s wealth“ den SchlĂŒssel zu einem GesamtverstĂ€ndnis sehen. In jĂŒngeren InterpretationsansĂ€tzen wird zunehmend die wesentliche Intention Shakespeares darin gesehen, die vermeintlich siegreiche Wertewelt Antonios und Portias ironisch oder subversiv als brĂŒchig und hohl darzustellen.cite-ref-11[11]

Diese völlige Unterschiedlichkeit oder WidersprĂŒchlichkeit der Deutungen des StĂŒckes ist einerseits auf die historisch und kulturell sich wandelnden kollektiven wie auch individuellen Einstellungen dem Judentum und dem GeldgeschĂ€ft gegenĂŒber zurĂŒckzufĂŒhren, liegt andererseits aber ebenso grundsĂ€tzlich in der Anlage des Werkes selbst begrĂŒndet.

Shakespeare verknĂŒpft in diesem StĂŒck einschließlich der kĂŒrzeren Ereignissequenzen insgesamt fĂŒnf HandlungsstrĂ€nge, die als solche von heterogener Art sind und ein unterschiedliches dramatisches Potenzial aufweisen. Die Geschichte von der Brautlotterie und der rĂ€tselhaften KĂ€stchenwahl ist beispielsweise vom Grundtyp her ein MĂ€rchen, die Geschichte um den Schuldschein und den Darlehenstreit ein Schwank. Alle Teilhandlungen oder Episoden stammen aus Traditionen des volkstĂŒmlichen ErzĂ€hlens, die nicht dem Gebot einer Wahrscheinlichkeit oder WirklichkeitsnĂ€he der Handlung folgen und mit einfachen Figurentypen operieren wie der schönen reichen Erbin, dem listigen BetrĂŒger oder dem ehrenwerten Kaufmann.

Aus diesen vorgefundenen Materialien entwickelt Shakespeare theatralisch höchst wirkungsvolle Szenen mit komplexen Charakteren und baut die in den Handlungen angelegten Themen und Konflikte aus. Wie teilweise auch in anderen seiner BĂŒhnenwerke verzichtet er dabei darauf, sĂ€mtliche thematischen Aspekte und dramatischen Momente zu einem geschlossenen, in sich vollstĂ€ndig stimmigen Ganzen zusammenzufĂŒgen. Einige Momente werden bis zur Ebene der höchsten KomplexitĂ€t entfaltet, andere werden ohne grĂ¶ĂŸere VerĂ€nderung Ă€hnlich schlicht oder mĂ€rchenhaft belassen wie in der zugrundeliegenden Quelle. Die Ungereimtheiten oder Unstimmigkeiten, die derart entstehen, werden nicht an allen Stellen bereinigt oder vollstĂ€ndig beseitigt.cite-ref-12[12]

Die Verflechtung der verschiedenen HandlungsstrĂ€nge, vor allem der Hauptgeschichten vom Fleischpfand und der KĂ€stchenwahl, erfolgt ĂŒber Verbindungsfiguren, die als HandlungstrĂ€ger in allen Teilplots mitwirken. Sie ist, wie schon in der frĂŒhen Shakespeare-Kritik im 18. Jahrhundert anerkannt wurde, durchaus gelungen. Bassanio ist gleichzeitig der Freund des Kaufmanns und der wĂŒrdige, erfolgreiche Brautwerber. Auf diese Weise wird durch die Personalunion das beliebte Thema der Konkurrenz zwischen Freundschaft und Liebe aufgegriffen. Portia wiederum ist nicht nur die umworbene reiche Erbin, sondern fungiert ebenso in Verkleidung als der Rechtsexperte, der die Wende im Prozess bewirkt.

Ähnlich kunstvoll ausgestaltet und theatralisch wirksam inszeniert werden auch die Szenen, die dramaturgisch das RĂŒckgrat des StĂŒckes bilden: die Diskussionen und Verhandlungen zwischen Shylock, Antonio und Bassanio ĂŒber das Darlehen und die damit verbundenen Bedingungen, die drei spannungsreichen und sprachlich glanzvollen KĂ€stchenwahl- und RĂ€tselszenen, die große Gerichtsszene, die nahezu den gesamten vierten Akt umfasst, und schließlich die gleichermaßen umfangreiche Schlussszene im nĂ€chtlichen Belmont, welche die Harmonie am Ende wiederherstellt.

Die SchauplÀtze und Handlungswelten von Venedig und Belmont werden von Shakespeare in ihrer Verschiedenartigkeit dargestellt, jedoch durch die Ausgestaltung des in ihnen enthaltenen thematischen Materials zueinander in enge Beziehung gebracht.

Antonio und Shylock sind als Kontrahenten in der Pfandgeschichte einerseits Gegenpole nicht nur als Christ und Jude, sondern auch als ernsthaft-melancholischer Held und gerissen-komischer Schurke. Sie vertreten andererseits auch unterschiedliche Konzeptionen und Wertehaltungen im GeschÀftsleben.

So fußt das Kaufmannsethos Antonios vor allem auf der Übertragung aristokratischer Werte und Haltungen in die Welt des bĂŒrgerlichen Handels: Antonio zeigt sich in seiner Rolle als Kaufmann vor allem als ein großzĂŒgiger, selbstloser Freund, der zu jedem Opfer bereit ist und damit dem Ideal des Renaissance-Humanismus entspricht. Geld ist fĂŒr ihn die Grundlage kultivierter Geselligkeit und zirkuliert frei zwischen Freunden und Liebenden.

Die Haltung kennzeichnet nicht nur sein Verhalten gegenĂŒber Bassanio; auch ansonsten handelt er in Shakespeares StĂŒck nach dem historisch neuen Prinzip der GeschĂ€ftsfreundschaft und verleiht sein Geld grundsĂ€tzlich ohne Verzinsung oder Sicherheit. Seine Leistung als Kaufmann zeigt sich neben der Freundschaft gleichermaßen in seiner Bereitschaft zum Risiko; sein Handelskredo wird von Shakespeare im Kern durch AusdrĂŒcke und Begriffe des Wagnisses oder Wagemuts wie „hazard“ oder „venture“ charakterisiert. Insbesondere seine Schiffe werden als „ventures“ dargestellt, die ihn in seiner Position als „royal merchant“ an die launenhafte Fortuna ausliefern, was er jedoch mit großer Gelassenheit ertrĂ€gt.

DemgegenĂŒber ist Shylock ein GeschĂ€ftsmann, der Zinsen verlangt. Geld ist fĂŒr ihn ein Selbstzweck; er verleiht es nur, um noch mehr Geld anzuhĂ€ufen oder den Schuldner ganz in seine Gewalt zu bekommen. Dies wird ihm in Shakespeares Werk als Wucher angelastet, obwohl ein solches Vorgehen in der damaligen frĂŒhkapitalistischen RealitĂ€t bereits legitim und ĂŒblich war. Zinsen sind fĂŒr Shylock im ursprĂŒnglichen Sinne des Begriffs „interest“, mithin Eigennutz; fĂŒr sein verliehenes Geld fordert er Sicherheiten.

Aus seiner Sicht ist die List im GeschÀftsleben sehr wohl erlaubt; das Erworbene will er horten und ist um keinen Preis bereit, es herzugeben. Er hasst Antonio als seinen Gegenspieler, der nicht nur in religiöser Hinsicht einem anderen Glauben folgt, sondern ebenso in seinen geschÀftlichen Praktiken eine völlig andere Werthaltung vertritt. Shylock betrachtet auf diesem Hintergrund den Handel daher als eine Form des Kampfes.

Als thematische Parallele zur Handels- und Darlehensgeschichte baut Shakespeare die Brautlotterie zu einer Parabel ĂŒber die gleichen Werte und Einstellungen aus: Portia ist eine reiche Erbin, so wie Shylock und Antonio reich sind. Wer sie als Braut gewinnt, erwirbt ein Vermögen. WĂ€hrend in der literarischen Gattung der Komödie die enge Verzahnung zwischen Liebeswerbung und Vermögenserwerb in der Regel tabuisiert ist, wird sie von Shakespeare in seinem StĂŒck durchgehend thematisch und leitmotivisch in das Blickfeld gerĂŒckt. Portia ist hier nicht nur ein Muster an Tugend und Schönheit, sondern zugleich auch ein Wertobjekt. Ihrem inneren Wert entspricht ihr Ă€ußerer Reichtum; symbolisch wird dieser Zusammenhang verdeutlicht durch die Geld- und Handelsmetaphorik, in der die Liebe als ein Tauschhandel und ihr reicher Lohn als ein Wucherzins erscheint (III,ii).

Ebenso wie in der Welt des Handels ist auch im Bereich der Liebe die Bereitschaft zum Wagnis entscheidend; neben den Begriffen des GlĂŒcks finden sich in den Portia-Szenen gleichermaßen an zentralen Stellen AusdrĂŒcke des Wagnisses wie „hazard“, „venture“ oder „take a chance“. Portia selbst ist zum Risiko bereit, indem sie ihr eigenes zukĂŒnftiges Schicksal der von ihrem Vater verfĂŒgten Brautlotterie anvertraut. Ebenso sind ihre Freier Wagemutige mit einem hohen Einsatz, denn sie mĂŒssen schwören, nie wieder um eine Frau zu werben, falls sie scheitern sollten.

Bassanio ist in der Brautwerbung erfolgreich, da er das KĂ€stchen mit dem Spruch wĂ€hlt, der von dem WĂ€hlenden verlangt, alles fĂŒr etwas Ă€ußerlich Unscheinbares wie Blei zu riskieren. Dem Edelmetall, nach dem er strebt, steht er mit Distanz gegenĂŒber; seine Haltung entspricht damit ebender des Kaufmanns und er gewinnt zu Recht.

Das riskante Wagnis („venture“) Ă€ußert sich in Bassianos Wahl des bleiernen KĂ€stchens in gleicher Weise wie in Antonios Einstehen fĂŒr seinen Freund; dieser Wagemut entspringt zugleich einer Haltung des Spiels dem Leben gegenĂŒber, die auch kennzeichnend ist fĂŒr Portias und Nerissas virtuose Verkleidungskomödie. Shylock hingegen kann sich ein derartiges Spiel nicht leisten; dementsprechend wird er in der fest- und spielfreudigen Welt Venedigs als ein Fremdkörper gesehen, den Portia in MĂ€nnerkleidern â€žĂŒberspielt“, indem sie seinen Rechtsanspruch gegen ihn selbst wendet.cite-ref-13[13]

In der Praxis der DurchfĂŒhrung wird das Schwarz-Weiß-Schema der Guten und der Bösen, des richtig und des falsch Handelnden in The Merchant of Venice immer wieder relativiert, da Shakespeare seine Charaktere nicht als konsistent oder völlig widerspruchsfrei darstellt, sondern sie je nach szenischem Kontext durchaus unterschiedlich handeln lĂ€sst.cite-ref-14[14]

So zeigt sich Portia beispielsweise in der Welt von Belmont allen anderen gegenĂŒber als großherzig, wĂ€hrend sie in ihrer Rolle als falsche Rechtsexpertin in dem Prozess gegen Shylock advokatische WinkelzĂŒge anwendet, die in deutlichem Widerspruch zu ihrem bisherigen Verhalten stehen. Zudem predigt sie den Segensreichtum einer Gnade, die sie selbst jedoch nicht gelten lĂ€sst.

Die grĂ¶ĂŸte Palette an Variationen findet sich in der Ausgestaltung der Figur des Shylock. WĂ€hrend er in verschiedenen Szenen als komischer Schurke auftritt, der sich der LĂ€cherlichkeit preisgibt, gibt es ebenso Passagen wie sein berĂŒhmtes PlĂ€doyer fĂŒr die Mitmenschlichkeit der Juden (III.1), die das MitgefĂŒhl oder die Sympathie der Zuschauer wecken und in denen das Publikum durchaus dazu verleitet wird, Shylocks Sichtweise der christlichen GeschĂ€fts- oder Handelswelt als einer rĂŒcksichts- oder skrupellosen Kumpanei zu teilen.

Gleichermaßen ist Antonio als Kaufmann und Freund nicht nur ein Vorbild an BestĂ€ndigkeit, sondern hat zugleich seine dunklen oder offen gelassenen Seiten und CharakterzĂŒge wie etwa seine betonte Traurigkeit am Anfang des StĂŒckes. Ebenso wenig wird seine Beziehung zu Bassanio eindeutig geklĂ€rt; es bleibt offen, ob die beiden sich durch eine reine MĂ€nnerfreundschaft verbunden fĂŒhlen, deren Konflikt mit der Liebe zwischen Mann und Frau zu den beliebten Renaissancethemen gehörte, oder ob ihre Beziehung zumindest unterschwellig homoerotisch geprĂ€gt ist, wie dies verschiedene moderne Interpreten annehmen.cite-ref-15[15]

Oftmals besteht zwischen den einzelnen Szenen des StĂŒckes nur ein lockerer Zusammenhalt; anstelle von szenenĂŒbergreifenden Aspekten treten die lokalen, auf das Hier und Jetzt gerichteten Momente oder Belange in den Vordergrund. Die unterschiedlichen Bauelemente oder Komponenten des StĂŒckes werden nicht durchgĂ€ngig eng miteinander verzahnt; stattdessen korrespondieren separate und auch disparate Teile in eher losem Zusammenhalt durch Wiederholungen, leitmotivische Gemeinsamkeiten oder aber kontrastierende GegensĂ€tze miteinander.

In dieser Hinsicht werden beispielsweise verschwenderisches Geben oder Wagen und engherzige Berechnung oder Habgier in paradoxer Bildhaftigkeit nicht nur einander gegenĂŒbergestellt, sondern zugleich in eine spezifische Beziehung zueinander gebracht, die das idealistische SelbstverstĂ€ndnis der Jeunesse dorĂ©e Venedigs stets aufs Neue in Frage stellt.

Das in der Schlussszene in einer lyrisch verklĂ€rten und heiter verspielten AtmosphĂ€re beschworene Bild der harmonisch vereinten Paare und die symbolhaft in der platonischen SphĂ€renmusik zum Ausdruck kommende Vorstellung einer zwischenmenschlichen und kosmischen Eintracht, welche die Zwietracht in dem Geschehen um Shylock verblassen lĂ€sst, wird gleichfalls kontrastiv ĂŒberschattet von den Liebestragödien, die Lorenzo und Jessica in ihrem Duett in Erinnerung rufen.cite-ref-16[16]

Auch die sprachliche Gestaltung von The Merchant of Venice ist geprĂ€gt durch den zentralen Gegensatz der dargestellten unterschiedlichen Welten Venedigs und Belmonts. Die Sprache der jungen Liebenden ist witzig verspielt und wird durch bildhafte poetische Vergleiche angereichert, jedoch gleichermaßen durch anzĂŒgliche Zweideutigkeiten oder geschliffene Rhetorik flexibel den jeweiligen Situationen angepasst.

Shylocks Redeweise ist demgegenĂŒber bestimmt durch stakkatohafte Wiederholungen oder abgehackte Satzpartikel, alttestamentliche AusdrĂŒcke und bildhafte Wendungen aus der Welt der niederen oder abstoßenden Tiere; seine konkret dingliche Diktion steht in schriller Dissonanz nicht nur zu der verspielten Sprechweise der Liebespaare, sondern auch zu der an mehreren Stellen gefĂŒhlstiefen, melancholischen Ausdrucksweise Antonios, die ihrerseits wiederum den heiteren und geselligen Sprachton seines Freundeskreises in Frage stellt. Trotz Portias rettendem Eingreifen, das verhindert, dass er dem konventionellen Konflikt von Freundschaft und Liebe zum Opfer fĂ€llt, bleibt auch er wie Shylock aus der glĂŒcklichen Gemeinschaft der vereinten Liebespaare in der Komödiengesellschaft ausgeschlossen.

In dieser Hinsicht gehört die Entsprechung zwischen dem Titelhelden und seinem Antagonisten als Außenseiter oder Vereinsamte durchaus zu den beunruhigenden Momenten des StĂŒckes, das die VerklĂ€rung oder Idealisierung der schlussendlich harmonischen Welt der Komödiengesellschaft in Frage stellt. Mit dem Aufwerfen dieser ironischen Brechungen kommt Shakespeares Komödie zum Teil einer Tragödie nahe und fĂŒhrt trotz des scheinbar glĂŒcklichen Ausgangs zu einer positiven Verunsicherung der Rezipienten, die stets aufs Neue eine weitere Auseinandersetzung mit dem Werk auf Seiten der Leser, Zuschauer, Regisseure und Kritiker provoziert hat.cite-ref-17[17]

Die Versuche in verschiedenen neueren Interpretationen des Merchant of Venice, die darauf abzielen, durch das einseitige Herausstellen jeweils spezifischer Momente und das Ausblenden anderer Aspekte eine einheitliche Aussage des StĂŒckes auszumachen, schreiben dagegen dem StĂŒck wahrscheinlich eine grĂ¶ĂŸere Geschlossenheit zu, als Shakespeare selbst sie intendierte.cite-ref-18[18]

Zum VerstÀndnis

In diesem StĂŒck greift Shakespeare mit Shylock, dem reichen jĂŒdischen Wucherer, auf die Figur des Vice zurĂŒck. Man begegnet dem Vice in verschiedenen anderen Figuren Shakespeares, etwa in Richard III., Jago, Lady Macbeth oder in Hamlets Onkel, dem König Claudius. Eine Verteufelung des JĂŒdischen ist darum hier so wenig vorhanden wie in den anderen Beispielen eine Herabsetzung des Königtums.cite-ref-19[19] Der Verlauf des StĂŒcks rĂŒckt denn auch weder Shylocks Judentum noch seinen Wucher ins Zentrum, sondern, wie Karl Marx es nennt, das erbarmungslose „Shylock’sche Festklammern am Buchstaben des Gesetzes“.cite-ref-20[20] Dieses blinde Bestehen auf Recht und Gesetz ist es, was im Höhepunkt der Handlung auf Shylock selbst zurĂŒckfĂ€llt. Portia sagt es unmissverstĂ€ndlich: „Denn weil du so auf Recht pochst, sei gewiss: Recht sollst du bekommen, mehr als du begehrst.“ (IV.1)cite-ref-21[21]

Auf Antonio, dem Gegenspieler des Vice und AnfĂŒhrer der guten MĂ€chte, lastet, Ă€hnlich wie spĂ€ter auf Hamlet, die Schwermut. Obwohl im Verlauf des StĂŒcks nicht mehr erwĂ€hnt, wird sie als eigentliches Thema dem Publikum von Antonio selbst angekĂŒndigt: „Von was fĂŒr Stoff es ist, woraus erzeugt, das soll ich erst erfahren.“cite-ref-22[22] Die „Schwermut“ ist in das Christentum unter dem Begriff der Acedia eingegangen. Im Verbund mit der SĂŒnde der SĂŒnden, dem Hochmut, als VerhĂ€rtung des Herzens gegen Gott, rechnet sie das Mittelalter zu den TodsĂŒnden. Im Übergang zur Renaissance wird die Acedia radikal neu bestimmt und als Tugend umgewertet. Das ist der Sinn, in dem Shakespeare sie gebraucht: die Traurigkeit kommt aus der Tugend der Empfindlichkeit fĂŒr das Unrecht in der Welt.

Was Theodor Mommsen zufolge „Shylock sich von seinem Todfeind halb zum Spott ausbedingt“,cite-ref-23[23] ist eine moralische Allegorie auf Fortuna oder, mit christlichem Begriff gesagt, auf „die PrĂ€destination oder das Schicksal“. Shakespeare nennt Fortuna darum gerne eine „Hure“, weil sie es mit den guten und den bösen MĂ€chten ohne Unterscheidung „treibt“ und bald diesen und bald jenen begĂŒnstigt. Der „Vice“ hat jene launische Göttin stets zunĂ€chst auf seiner Seite. Im Falle von Macbeth tritt ihre Macht leibhaftig als die „drei Schicksalsschwestern“ auf. Im „Kaufmann“ erwirkt sie zunĂ€chst die SchicksalsschlĂ€ge gegen den selbstlosen Antonio. „Nicht ein einziger Treffer“ gelingt ihm, und die höheren MĂ€chte scheinen seine Liebe und seine Großmut schlecht zu vergelten. Darauf nĂ€mlich, auf das VerhĂ€ngnis, genauer aber auf die Gerechtigkeit Gottes, zielt Antonios bittere Ironie in der Schicksalsstunde: „Denn schneidet nur der Jude tief genug, so zahl ich gleich die Schuld [d. h. meine Liebe] von ganzem Herzen.“ (IV.1)

Mit dem plötzlichen Umschwung im Prozess hat die Macht des Schicksals anscheinend nichts zu tun. Es ist aber kaum Zufall, dass die FĂŒgung sich im Augenblick der Wende dem guten Bund wieder gĂŒnstig zeigt, als hĂ€tte eigentlich sie die Hand im Spiel. Auf das Schicksal wird daher auch ausdrĂŒcklich hingewiesen: „drei Eurer Galeonen sind reich beladen plötzlich eingelaufen; ich sag Euch nicht, was fĂŒr ein eigner Zufall den Brief mir zugespielt hat.“ (V.1)

Kritik

Shakespeares Komödie wird vor allem seit dem beginnenden 20. Jahrhundert besonders unter dem Einfluss nationalsozialistischer Aneignungsversuche Antisemitismus vorgeworfen, wobei Judenfeindlichkeit im elisabethanischen Theater tatsĂ€chlich nichts Ungewöhnliches war. Bekanntestes Beispiel neben Shakespeares „Kaufmann“ ist Christopher Marlowes wesentlich undifferenzierteres Drama The Jew of Malta. Shylocks Handeln wird durch die UnterdrĂŒckung der jĂŒdischen Gemeinden und der einzelnen Juden (Gutwilligkeit des Rezipienten vorausgesetzt) verstĂ€ndlich, die im StĂŒck zwar keine zentrale Rolle spielt, aber durchaus erwĂ€hnt wird. Auch der berĂŒhmte Verteidigungsmonolog Shylocks, in dem er sich ĂŒber die Ungerechtigkeiten beklagt, unter denen er zu leiden hat: „Wenn ihr uns kitzelt, lachen wir nicht? Wenn ihr uns vergiftet, sterben wir nicht? Und wenn ihr uns beleidigt, sollen wir uns nicht rĂ€chen?“ (III.1) mildert den Tenor des StĂŒckes. Die GroßmĂŒtigkeit der christlichen Protagonisten des StĂŒcks steht im Kontrast zur Rachsucht und Engherzigkeit Shylocks.cite-ref-24[24]

Wie in den mittelalterlichen Mysterienspielen soll mit diesem StĂŒck der ethische Grundsatz Gnade vor Recht demonstriert werden. Gemeint ist, dass die Gnade (christlich, Neues Testament) noch ĂŒber dem Recht (jĂŒdisch, Altes Testament) stehen soll.cite-ref-25[25] Das ist die Tradition, die Shakespeare ĂŒbernimmt, auch wenn seine Figuren nicht mehr so allegorisch wirken wie einst. Jedoch ermöglichte Shakespeares facettenreiche Charakterisierung des eigentlich als komischen Schurken angelegten Shylock auch andere Interpretationen des Stoffs. Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts gab es erste mitfĂŒhlende Darstellungen des Shylock, die seine tragische Ambivalenz herausstellten. Der sĂ€kularisierte Jude Ludwig Börne wies in seinem Essay Der Jude Shylock im „Kaufmann von Venedig“ auf die menschliche Tragik Shylocks hin.cite-ref-26[26] Noch engagierter tat dies Heinrich Heine in seinen AusfĂŒhrungen ĂŒber Jessica und Portia in seiner Schrift Shakespeares MĂ€dchen und Frauen.cite-ref-27[27]

Der jĂŒdische Schauspieler Alexander Granach verkörperte den Shylock 1919 unter Elisabeth Berger am MĂŒnchner Schauspielhauscite-ref-28[28] und Anfang der 1920er Jahre an der Berliner VolksbĂŒhne. Er galt als einer der besten Shylock-Darsteller.cite-ref-29[29]

WĂ€hrend die Figur des Shylock in der NS-Zeit, als das StĂŒck wieder hĂ€ufiger aufgefĂŒhrt wurde (etwa 1943 am Wiener Burgtheater oder in der Verfilmung mit Werner Krauß), oft als Verkörperung des der nationalsozialistischen Rassenideologie entsprechenden Judenbildes mit allen den Juden zugeschriebenen charakterlichen und physiognomischen Stereotypen dargestellt wurde,cite-ref-30[30] hat sich angesichts des Holocausts die mitfĂŒhlende Darstellung des Shylock durchgesetzt. Auch die jĂŒngste Verfilmung des Stoffs, Michael Radfords Der Kaufmann von Venedig mit Al Pacino in der Rolle des Shylock, verfĂ€hrt so: Der Film beginnt mit einer Montage von Szenen, die den zeitgenössischen Antisemitismus zeigen: Hetzreden fanatischer Wanderprediger, das Verbrennen von Talmud­drucken sowie das Bespucken und Schlagen von Juden. Hier wird offensichtlich, warum Shylock im entscheidenden Augenblick falsch handelt. Die Gnade, die von ihm hier erwartet wird, kann er nicht gewĂ€hren, weil ihm die Liebe als Voraussetzung dafĂŒr fehlt. Sie wurde von den venezianischen Nichtjuden zerstört.

In neueren deutschen Inszenierungen wurde das Problem der Darstellung Shylocks selbst thematisiert. In den AuffĂŒhrungen unter der Regie von Peter Zadek wurden 1973 und 1988 bewusst alle Normen der politischen Korrektheit provokativ in Frage gestellt; George Tabori prĂ€sentierte 1978 in seinen Improvisationen ĂŒber Shylock mit seinem zwölfmaligen Durchspielen des Schicksals von Shylock die Traumata des deutschen Umgangs mit diesem Werk Shakespeares.cite-ref-31[31]

Adaptionen

Film und Fernsehen

Die erste Verfilmung war, unter der Regie von Lois Weber, der Stummfilm von 1914, The Merchant of Venice. 1923 wurde die Komödie erneut, diesmal von Peter Paul Felner, verfilmt.

1969 zeigte das deutsche Fernsehen eine vielbeachtete Interpretation, in der der jĂŒdische Schauspieler und Regisseur Fritz Kortner die Rolle des Shylock ĂŒbernahm. Max Eckard spielte die Titelrolle, Sabine Sinjen die Portia, Folker Bohnet den Bassiano und Heinz Petters den Lanzelot Gobbo; weitere Rollen hatten Boy Gobert, Karl Paryla, Gertraud Jesserer und Peter Vogel (Regie: Otto Schenk).

In Douglas Hickox’ Horrorfilm Theater des Grauens von 1973 zeigt Vincent Price als Edward Lionheart zusammen mit Diana Rigg eine leichte Abwandlung der Szene, die dort als lebendiges Theater angekĂŒndigt und auch durchgefĂŒhrt wird. Eine weitere Fernsehfassung wurde am 18. September 1990 ausgestrahlt. Unter der Regie von George Moorse und Peter Zadek und nach einer Übersetzung von Elisabeth Plessen und einer AuffĂŒhrung des Wiener Burgtheaters spielten Gert Voss den Shylock und den Prinzen von Arragon, Ignaz Kirchner den Antonio und den Prinzen von Marokko, Paulus Manker den Bassanio, Uwe Bohm den Lanzelot Gobbo, Eva Mattes die Portia und Julia Stemberger die Jessica.

2004 drehte Michael Radford eine Hollywood-Fassung mit Al Pacino als Shylock, Jeremy Irons als Antonio, Joseph Fiennes als Bassanio und Lynn Collins als Portia.

BĂŒhne

Der bekannte englische Dramatiker Arnold Wesker veröffentlichte erstmals 1977 eine Neufassung der Shakespeareschen Komödie. In seinem Werk The Merchant, das auch als Shylock erschien und unter diesem Titel 1977 von Nina Adler ins Deutsche ĂŒbersetzt wurde, stellt Wesker Shakespeares Shylock-Figur in einen neuen Deutungszusammenhang. Im historischen und sozialen Kontext der venezianischen Welt von 1563 steht Weskers Shylock unter den ZwĂ€ngen, die von den dortigen staatlichen Instanzen den Juden auferlegt werden: Er lebt in einem Ghetto, ist in seiner beruflichen TĂ€tigkeit auf den Geldhandel eingeschrĂ€nkt und wird vom venezianischen Staat durch willkĂŒrliche Besteuerung skrupellos ausgebeutet. In Weskers StĂŒck ist nicht der Jude Shylock geldgierig, sondern die jungen Adeligen der alteingesessenen Familien, die sogar in ihrem Liebeswerben ausschließlich von materiellen BeweggrĂŒnden geleitet werden. Der wahre Reichtum Shylocks liegt bei Wesker nicht in seinem Geldvermögen, sondern in seinen BĂŒchern, welche die Leidensgeschichte seines Volkes zum Ausdruck bringen und es Shylock erlauben, seine eigene Lebenssituation in einem ĂŒbergeordneten Zusammenhang zu begreifen. Mit diesem Wissen ist er den venezianischen Protagonisten ĂŒberlegen und in der Lage, deren moralisch-ethische Substanzlosigkeit im Umgang mit dem Recht zu durchschauen. Antonio ist in Weskers Spiel der Freund Shylocks und bewundert dessen IntellektualitĂ€t und Menschlichkeit. Der Vertrag wird zwischen den beiden nur geschlossen, weil das venezianische Gesetz dies fĂŒr jegliche geschĂ€ftliche Beziehung zwischen Juden und Nicht-Juden so verlangt. Das von Shakespeare ĂŒbernommene Pfand des Pfundes Fleisch wird in Weskers StĂŒck von Shylock und Antonio gewĂ€hlt, um ihrer Verachtung fĂŒr die venezianischen Gesetze Ausdruck zu verleihen. So ist es bei Wesker auch nicht Shylock, sondern der venezianische Staat, der die buchstabengetreue Anwendung des Vertrages als ein Instrument der Vernichtung einfordert. Wie in Shakespeares Vorlage gelingt es auch hier Portia, den Kopf von Shylock und Antonio aus der Schlinge zu ziehen; allerdings werden Shylocks BĂŒcher wegen seiner Verspottung des Gesetzes konfisziert. Die humanistische, aufklĂ€rerische Haltung scheitert damit bei Wesker an einem mechanistischen VerstĂ€ndnis von LegalitĂ€t, das vor allem in Rassismus und Antisemitismus begrĂŒndet liegt.cite-ref-32[32]

Oper

Auf der Grundlage von Shakespeares Komödie The Merchant of Venice entstand die gleichnamige Oper des polnischen Komponisten AndrĂ© Tchaikowsky, die er nach 24-jĂ€hriger Arbeit an der Komposition kurz vor seinem Tode am 25. Juni 1982 bis auf 28 Takte der Orchestrierung vollendete. Das Libretto stammt von dem amerikanischen Autor John O’Brien, der Shakespeares Vorlage auf drei Akte und einen Epilog verkĂŒrzte. Die endgĂŒltige Fertigstellung und Publikation als Klavierauszug und Partitur wurde von Freunden Tchaikowskys ĂŒbernommen. Die UrauffĂŒhrung des Werks erfolgte erst am 18. Juli 2013 bei den Bregenzer Festspielen.cite-ref-33[33]

Textausgaben

Gesamtausgaben

‱ John Jowett, William Montgomery, Gary Taylor und Stanley Wells (Hrsg.): The Oxford Shakespeare. The Complete Works. Oxford University Press, Oxford 2005, ISBN 978-0-19-926718-7.
‱ Jonathan Bate, Eric Rasmussen (Hrsg.): William Shakespeare Complete Works. The RSC Shakespeare, Macmillan Publishers 2008, ISBN 978-0-230-20095-1.

Englisch

‱ John Drakakis (Hrsg.): William Shakespeare: The Merchant of Venice. The Arden Shakespeare. Third Series. Arden, London 2010, ISBN 978-1-903436-81-3.
‱ M. M. Mahood (Hrsg.): William Shakespeare: The Merchant of Venice. The New Cambridge Shakespeare. Cambridge University Press, Cambridge 2012, ISBN 978-0-521-53251-8.
‱ J. L. Halio (Hrsg.): William Shakespeare: The Merchant of Venice. The Oxford Shakespeare. Oxford University Press, Oxford 2008, ISBN 978-0-19-953585-9.

Deutsch

‱ Ingeborg Heine-Harabasz (Hrsg.): William Shakespeare: The Merchant of Venice. Englisch-Deutsche Studienausgabe. Stauffenburg, TĂŒbingen 1982, ISBN 3-86057-547-3.
‱ Frank GĂŒnther (Hrsg.): William Shakespeare: Der Kaufmann von Venedig. Deutscher Taschenbuch Verlag, MĂŒnchen 2003, ISBN 3-423-12485-7.

Literatur

‱ Hans-Dieter Gelfert: William Shakespeare in seiner Zeit. C.H. Beck Verlag, MĂŒnchen 2014, ISBN 978-3-406-65919-5, S. 283–287.
‱ Michael Dobson, Stanley Wells (Hrsg.): The Oxford Companion to Shakespeare. 2. Ausgabe, Oxford University Press, Oxford 2015, ISBN 978-0-19-870873-5, S. 297–301.
‱ Stephen Greenblatt: Will in der Welt. Wie Shakespeare zu Shakespeare wurde. Berlin-Verlag, Berlin 2004, ISBN 3-8270-0438-1.
‱ Anat Feinberg-JĂŒtte: Siebtes Bild: Shylock. In: Julius H. Schoeps, Joachim Schlör (Hrsg.): Bilder der Judenfeindschaft. Antisemitismus – Vorurteile und Mythen. BechtermĂŒnz-Verlag, Augsburg 1999, ISBN 3-8289-0734-2, S. 119–126.
‱ Wolfhard Keiser: William Shakespeare: Der Kaufmann von Venedig (The Merchant of Venice). (= Königs ErlĂ€uterungen und Materialien. 32). 2. Auflage. Bange Verlag, Hollfeld 2006, ISBN 3-8044-1809-0.
‱ Ina Schabert (Hrsg.): Shakespeare-Handbuch. Die Zeit, der Mensch, das Werk, die Nachwelt. 5., durchgesehene und ergĂ€nzte Auflage. Kröner, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-520-38605-2, S. 406–412.
‱ Sabine SchĂŒlting: The Merchant of Venice. In: Interpretationen. Shakespeares Dramen. Philipp Reclam jun., Stuttgart 2010, ISBN 978-3-15-017513-2, S. 129–155.
‱ Ulrich Suerbaum: Der Shakespeare-FĂŒhrer. Reclam, Ditzingen 2006, ISBN 3-15-017663-8 (3., durchges. und bibliogr. erg. Auflage. 2015, ISBN 978-3-15-020395-8, S. 121–130).

Weblinks

Commons

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– Quellen und Volltexte (englisch)

Belege

cite-note-11. ↑ Ina Schabert: Shakespeare-Handbuch. Die Zeit, der Mensch, das Werk, die Nachwelt. 5., durchg. und erg. Auflage. Kröner, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-520-38605-2, S. 406. Siehe auch Ulrich Suerbaum: Der Shakespeare-FĂŒhrer. 3., rev. Auflage. Reclam, Ditzingen 2015, ISBN 978-3-15-020395-8, S. 122 f. Vgl. ferner J. L. Halio (Hrsg.): William Shakespeare: The Merchant of Venice. The Oxford Shakespeare. Oxford University Press, Oxford 2008, ISBN 978-0-19-953585-9, Introduction. S. 13 ff. Vgl. auch M. M. Mahood (Hrsg.): William Shakespeare: The Merchant of Venice. The New Cambridge Shakespeare. Cambridge University Press, Cambridge 2012, ISBN 978-0-521-53251-8, Introduction. S. 2 ff. In der Werbungsprobe der Novelle Giovannis stellt die umworbene Frau die Aufgabe selber, die darin besteht, dass der Freier eine Nacht mit ihr verbringen muss. Gelingt ihm diese, wird sie seine Frau; scheitert er, verfĂ€llt sein gesamtes Vermögen an sie. Durch Verabreichen eines starken Schlaftrunks vereitelt sie die sexuellen Avancen ihrer Freier. Der Held der Geschichte, der zweimal dieser List zum Opfer gefallen ist, wird jedoch bei einem dritten Versuch von einer mitleidigen Kammerzofe vor dem Schlaftrunk gewarnt und ist so erfolgreich. Siehe dazu auch Ingeborg Heine-Harabasz (Hrsg.): William Shakespeare: The Merchant of Venice. Englisch-Deutsche Studienausgabe. Stauffenburg, TĂŒbingen 1982, ISBN 3-86057-547-3, S. 13.
cite-note-22. ↑ Ina Schabert: Shakespeare-Handbuch. Die Zeit, der Mensch, das Werk, die Nachwelt. 5., durchg. und erg. Auflage. Kröner, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-520-38605-2, S. 406 f. Siehe auch Ulrich Suerbaum: Der Shakespeare-FĂŒhrer. 3., rev. Auflage. Reclam, Ditzingen 2015, ISBN 978-3-15-020395-8, S. 123. Vgl. ferner J. L. Halio (Hrsg.): William Shakespeare: The Merchant of Venice. The Oxford Shakespeare. Oxford University Press, Oxford 2008, ISBN 978-0-19-953585-9, S. 17 ff., Introduction. Siehe auch M. M. Mahood (Hrsg.): William Shakespeare: The Merchant of Venice. The New Cambridge Shakespeare. Cambridge University Press, Cambridge 2012, ISBN 978-0-521-53251-8, Introduction. S. 4 ff.
cite-note-33. ↑ Ina Schabert: Shakespeare-Handbuch. Die Zeit, der Mensch, das Werk, die Nachwelt. 5., durchg. und erg. Auflage. Kröner, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-520-38605-2, S. 406 f. Siehe zu dem Eintrag im Stationers’ Register auch J. L. Halio (Hrsg.): William Shakespeare: The Merchant of Venice. The Oxford Shakespeare. Oxford University Press, Oxford 2008, ISBN 978-0-19-953585-9, Introduction. S. 85.
cite-note-44. ↑ Ina Schabert: Shakespeare-Handbuch. Die Zeit, der Mensch, das Werk, die Nachwelt. 5., durchg. und erg. Auflage. Kröner, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-520-38605-2, S. 407. Siehe ebenso Ulrich Suerbaum: Der Shakespeare-FĂŒhrer. 3., rev. Auflage. Reclam, Ditzingen 2015, ISBN 978-3-15-020395-8, S. 123 f. Vgl. ferner Hans-Dieter Gelfert: William Shakespeare in seiner Zeit. C.H. Beck Verlag, MĂŒnchen 2014, ISBN 978-3-406-65919-5, S. 283, und Michael Dobson, Stanley Wells (Hrsg.): The Oxford Companion to Shakespeare. Oxford University Press, 2. Ausgabe, Oxford 2015, ISBN 978-0-19-870873-5, S. 297. Siehe auch ausfĂŒhrlich J. L. Halio (Hrsg.): William Shakespeare: The Merchant of Venice. The Oxford Shakespeare. Oxford University Press, Oxford 2008, ISBN 978-0-19-953585-9, Introduction. S. 1–16 und Sabine SchĂŒlting: The Merchant of Venice. In: Interpretationen - Shakespeares Dramen. Philipp Reclam jun., Stuttgart 2010, ISBN 978-3-15-017513-2, S. 137 ff.
cite-note-55. ↑ Siehe Bernhard Fabian (Hrsg.): Die englische Literatur. Band 1: Epochen und Formen. 3. Auflage. Deutscher Taschenbuchverlag, MĂŒnchen 1997, ISBN 3-423-04494-2, S. 47.
cite-note-66. ↑ M. M. Mahood: The New Cambridge Shakespeare. 2000, Introduction S. 1 f., John Russel Brown: Arden Shakespeare. (Second Series) 2006, S. XII f. und XXII. Siehe auch Jay L. Halio: Oxford Shakespeare. 2008, S. 285 f., sowie I. Schabert: Shakespeare-Handbuch. 2009, S. 506 sowie 197–199 und 205.
cite-note-77. ↑ John Russel Brown: Arden Shakespeare. (Second Series) 2006, S. XXVI f. und M. M. Mahood: The New Cambridge Shakespeare. 2000, S. 1 f. Siehe auch Jay L. Halio: Oxford Shakespeare. 2008, S. 27 f.; sowie Ina Schabert: Shakespeare-Handbuch. 5., korr. und erg. Auflage. Kröner, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-520-38605-2, S. 406; und Hans-Dieter Gelfert: William Shakespeare in seiner Zeit. C.H. Beck Verlag, MĂŒnchen 2014, ISBN 978-3-406-65919-5, S. 283.
cite-note-88. ↑ Jay L. Halio: Oxford Shakespeare. 2008, S. 85 ff., und John Russel Brown: Arden Shakespeare. (Second Series) 2006, S. XI–XIII und XV f.
cite-note-99. ↑ I. Schabert: Shakespeare-Handbuch. 2009, S. 211 f.
cite-note-1010. ↑ John Russel Brown: Arden Shakespeare. (Second Series) 2006, S. XIII–XX. Siehe auch Jay L. Halio: Oxford Shakespeare. 2008, S. 88–93.
cite-note-1111. ↑ Siehe Ulrich Suerbaum: Der Shakespeare-FĂŒhrer. 3., rev. Auflage. Reclam, Ditzingen 2015, ISBN 978-3-15-020395-8, S. 124 f. Siehe auch Sabine SchĂŒlting: The Merchant of Venice. In: Interpretationen – Shakespeares Dramen. Philipp Reclam jun., Stuttgart 2010, ISBN 978-3-15-017513-2, S. 134 ff. und S. 151 ff.
cite-note-1212. ↑ Siehe Ulrich Suerbaum: Der Shakespeare-FĂŒhrer. 3., rev. Auflage. Reclam, Ditzingen 2015, ISBN 978-3-15-020395-8, S. 124 f. Vgl. auch Ina Schabert: Shakespeare-Handbuch. Die Zeit, der Mensch, das Werk, die Nachwelt. 5., durchg. und erg. Auflage. Kröner, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-520-38605-2, S. 407 ff.
cite-note-1313. ↑ Ina Schabert: Shakespeare-Handbuch. Die Zeit, der Mensch, das Werk, die Nachwelt. 5., durchg. und erg. Auflage. Kröner, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-520-38605-2, S. 410.
cite-note-1414. ↑ Siehe Ulrich Suerbaum: Der Shakespeare-FĂŒhrer. 3., rev. Auflage. Reclam, Ditzingen 2015, ISBN 978-3-15-020395-8, S. 125–129. Vgl. auch Ina Schabert: Shakespeare-Handbuch. Die Zeit, der Mensch, das Werk, die Nachwelt. 5., durchg. und erg. Auflage. Kröner, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-520-38605-2, S. 408 ff.
cite-note-1515. ↑ Siehe Ulrich Suerbaum: Der Shakespeare-FĂŒhrer. 3., rev. Auflage. Reclam, Ditzingen 2015, ISBN 978-3-15-020395-8, S. 129. Vgl. in diesem Zusammenhang auch M. M. Mahood (Hrsg.): William Shakespeare: The Merchant of Venice. The New Cambridge Shakespeare. Cambridge University Press, Cambridge 2012, ISBN 978-0-521-53251-8, Introduction. S. 54ff und 64.
cite-note-1616. ↑ Ina Schabert: Shakespeare-Handbuch. Die Zeit, der Mensch, das Werk, die Nachwelt. 5., durchg. und erg. Auflage. Kröner, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-520-38605-2, S. 410.
cite-note-1717. ↑ Ina Schabert: Shakespeare-Handbuch. Die Zeit, der Mensch, das Werk, die Nachwelt. 5., durchg. und erg. Auflage. Kröner, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-520-38605-2, S. 410 f.
cite-note-1818. ↑ Siehe Ulrich Suerbaum: Der Shakespeare-FĂŒhrer. 3., rev. Auflage. Reclam, Ditzingen 2015, ISBN 978-3-15-020395-8, S. 129 f.
cite-note-1919. ↑ dazu den Deutungsansatz in den SparkNotes The Merchant of Venice - Analysis: Act I, scene iii. Abgerufen am 10. August 2017.
cite-note-2020. ↑ Karl Marx: Das Kapital. Kritik der politischen Oekonomie. Erster Band. Hrsg. von Friedrich Engels. Otto Meisners Verlag, Hamburg 1903, S. 251.
cite-note-2121. ↑ zu dem Zusammenhang hier auch J. L. Halio (Hrsg.): William Shakespeare: The Merchant of Venice. The Oxford Shakespeare. Oxford University Press, Oxford 2008, ISBN 978-0-19-953585-9, Introduction, S. 2 ff.
cite-note-2222. ↑ William Shakespeare: Hamlet. Akt I, Szene 1 im Projekt Gutenberg-DE. Übersetzung von August Wilhelm Schlegel.
cite-note-2323. ↑ Siehe Theodor Mommsen: Römische Geschichte. 4. Auflage. Erster Band. Weidmannsche Buchhandlung, Berlin 1865, S. 161.
cite-note-2424. ↑ Vgl. dazu Ingeborg Heine-Harabasz (Hrsg.): William Shakespeare: The Merchant of Venice. Englisch-Deutsche Studienausgabe. Stauffenburg, TĂŒbingen 1982, ISBN 3-86057-547-3, S. 15–18 und S. 32 f f. Siehe auch J. L. Halio (Hrsg.): William Shakespeare: The Merchant of Venice. The Oxford Shakespeare. Oxford University Press, Oxford 2008, ISBN 978-0-19-953585-9, Einleitung Shakespeare and Semitism, S. 1–13, sowie Ina Schabert (Hrsg.): Shakespeare-Handbuch. Die Zeit, der Mensch, das Werk, die Nachwelt. 5., durchgesehene und ergĂ€nzte Auflage. Kröner, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-520-38605-2, S. 411 f.
cite-note-2525. ↑ Jay L. Halio (Hrsg.): William Shakespeare: The Merchant of Venice. The Oxford Shakespeare. Oxford University Press, Oxford 2008 (1. Aufl. 1993), ISBN 978-0-19-953585-9, Introduction. S. 46 f.
cite-note-2626. ↑ Ludwig Börne: [Rezension zu Franz Grillparzer:] Die Ahnfrau im Projekt Gutenberg-DE.
cite-note-2727. ↑ Heinrich Heine: Shakespeares MĂ€dchen und Frauen. UniversitĂ€t Trier, abgerufen am 18. Februar 2019.
cite-note-2828. ↑ Alexander Granach. Da geht ein Mensch. Henschelverlag, Berlin 1965, S. 171/172.
cite-note-2929. ↑ Mischket Liebermann: Aus dem Ghetto in die Welt. Verlag der Nation Berlin, 1977, S. 47/48.
cite-note-3030. ↑ Zeno Ackermann (Hrsg.): Shylock nach dem Holocaust. Zur Geschichte einer Erinnerungsfigur. S. 66 f.
cite-note-3131. ↑ Ina Schabert: Shakespeare-Handbuch. Die Zeit, der Mensch, das Werk, die Nachwelt. 5., durchg. und erg. Auflage. Kröner, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-520-38605-2, S. 412.
cite-note-3232. ↑ Bernhard Reitz: „Forget Things and you‘ll go to pieces“: JĂŒdische IdentitĂ€t zwischen Erinnerung und AnnĂ€herung, Utopie und Holocaust im englischen Drama der Gegenwart. In: Beate Neumeier (Hrsg.): JĂŒdische Literatur und Kultur in Großbritannien und den USA nach 1945. Wiesbaden 1998, ISBN 3-447-04108-0, S. 35–37.
cite-note-3333. ↑ die Rezension von Juan Martin Koch: Respektable Shakespeare-Oper – intelligentes See-Spektakel: AndrĂ© Tchaikowskys „Kaufmann von Venedig“ und Mozarts „Zauberflöte“ in Bregenz. In: Neue Musikzeitung. 22. Juli 2013. Abgerufen am 5. August 2017.